Gegründet 1868

Die Freimaurerloge
Brudertreue am Main

Über 150 Jahre Engagement für Humanität, Toleranz und die stete Arbeit an sich selbst – ein Spiegel nicht nur freimaurerischer, sondern auch deutscher Geschichte.

Migranten gründen eine Loge

Das Schweinfurt des Jahres 1866 ist eine Stadt im Aufbruch: Die Eisenbahn hat die Stadt geöffnet, Industrielle wie Wilhelm Sattler prägen das Stadtbild, Zugezogene aus ganz Deutschland bringen frischen Wind in die einst reichsstädtisch-bürgerliche Enge.

Unter diesen Zugezogenen sind neun Kaufmänner, die bereits Freimaurer sind – Mitglieder von Logen in Frankfurt, Nürnberg, Berlin, Hamburg und Bayreuth. Sie wollen nicht „ganz ohne maurerische Arbeit" leben und gründen zunächst ein „maurerisches Kränzchen" als Vorstufe zur eigentlichen Loge.

„Die wesentlichen Eckpunkte freimaurerischen Lebens: die Überzeugung, dass alle Menschen mit den gleichen unveräußerlichen Rechten geboren werden." Aus den Alten Pflichten, 1723

Stationen einer langen Geschichte

1866 – 1868

Gründung der Loge

Am 28. Februar 1866 treten neun Kaufmänner zusammen, um ein „maurerisches Kränzchen" ins Leben zu rufen. Am 22. November 1868 wird die St. Johannisloge „Zur Brudertreue am Main" offiziell gegründet – unter Patenschaft der Bayreuther Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit" und in Obödienz zur Bayreuther Großloge „Zur Sonne". Die Urkunde erteilt der Loge das Recht, Maurer „von bewährter Rechtschaffenheit" aufzunehmen.

1870 – 1892

Wachstum und Wirken

Die Loge tritt erstmals 1870 öffentlich in Erscheinung: 54 Kindern im Felde stehender Soldaten wird eine Weihnachtsbescherung bereitet. 1875 bezieht sie ein eigenes Logenhaus in der Neutorstraße – bis heute der Sitz der Loge. 1892 gründet sie mit einem Stammkapital von 2 000 Mark eine Wohltätigkeitsstiftung, die fortan humanitäre Projekte in der Stadt unterstützt.

1914 – 1923

Krieg und Wirtschaftskrise

Im Ersten Weltkrieg organisiert die Loge eine tägliche Kinderspeisung, die erst nach knapp drei Jahren wegen Rationierung eingestellt werden muss. Die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit und die galoppierende Inflation vernichten das Kapital der Wohltätigkeitsstiftung vollständig. Das 50-jährige Stiftungsfest 1919 fällt bescheiden aus.

1933

Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten

Am 8. Mai 1933 erzwingen die Nationalsozialisten die Auflösung der Loge, beschlagnahmen Bibliothek, Einrichtung und Ritualgegenstände. Das Logenhaus wird dem Oberbürgermeister übereignet. Die Gestapo durchsucht Wohnungen, registriert und überwacht jeden Bruder. Im Polizeibericht 1936 heißt es: ehemalige Mitglieder „finden sich bis zu 15 Mann stark in Wirtschaftslokalen zusammen" – die Überwachung wird fortgesetzt. Die Brüder, rechtlos und demütigenden Eingriffen ausgesetzt, halten dennoch im Stillen zusammen.

1946

Neubeginn nach dem Krieg

Theodor Vogel (1901–1977), seit 1926 Mitglied der Loge, hat sich in der NS-Zeit standhaft geweigert, der NSDAP beizutreten. Als prägende Persönlichkeit der Nachkriegsjahre initiiert er den Wiederaufbau. Am 14. April 1946 findet die erste Tempelarbeit statt; am 9. November wird die Loge mit 30 Brüdern und Genehmigung der US-Militärregierung rekonstituiert. Von den 87 Mitgliedern bei Auflösung sind 42 tot, sieben verschollen, vier ins Ausland vertrieben worden.

1949

Theodor Vogel und die Einigung der Freimaurerei

Vogel erkennt, dass die Zersplitterung der deutschen Freimaurerei in zwölf Großlogen das „Versagen des Bundes während der Weimarer Zeit" mitverursacht hat. Nach zähem Ringen gelingt am 19. Juni 1949 in der Frankfurter Paulskirche die feierliche Konstituierung der Vereinigten Großloge der Freimaurer von Deutschland, der sich 151 Logen anschließen. Der „Spiegel" widmete ihm 1963 seine Titelseite.

2018

150-jähriges Jubiläum

Am 22. November 2018 begeht die Loge ihr 150-jähriges Stiftungsfest. Den Kern der Feier bilden eine Tempelarbeit und eine Tafelloge, zu der Brüder aus befreundeten Logen aus ganz Deutschland zusammenkommen. Ergänzt wird das Jubiläum durch öffentliche Veranstaltungen: ein Vortrag und eine Ausstellung machen die Geschichte der Loge einem breiteren Publikum zugänglich – 150 Jahre nach dem Tag, an dem neun Kaufmänner beschlossen, in Schweinfurt „nicht ganz ohne maurerische Arbeit" zu leben.

Heute

Die Loge im 21. Jahrhundert

Die Brudertreue am Main zählt heute 37 Mitglieder und hat ihren Sitz nach wie vor an historischer Stelle in der Neutorstraße 4, 97421 Schweinfurt. Sie gehört der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (GL AFuAMvD) an, der größten der fünf deutschen Großlogen mit rund 10 000 Mitgliedern. Übergeordnete Dachorganisation sind die Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD).

Lernen Sie uns kennen

Geschichte wird lebendig, wenn man den Menschen begegnet, die sie fortschreiben. Besuchen Sie unseren nächsten Gästeabend.

Zu den Gästeabenden