Freimaurerei –
Ein Erklärungsversuch
Verschwörungstheorien, Mythen, Missverständnisse – und dahinter eine Realität, die nüchterner und menschlicher ist, als viele vermuten. Wir beantworten die häufigsten Fragen offen und direkt.
Was ist Freimaurerei überhaupt?
Freimaurerei ist zunächst eine Haltung: die Überzeugung, dass alle Menschen mit den gleichen unveräußerlichen Rechten geboren werden. Nicht umsonst hat die Freimaurerei entscheidenden Anteil an der Aufklärung – an der amerikanischen Verfassung von 1787 und an der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 haben maßgeblich Freimaurer mitgewirkt.
Es ist die Bereitschaft, ein Leben lang an sich selbst zu arbeiten, einander brüderlich und Andersdenkenden mit Respekt und Toleranz zu begegnen und sich von der „Geißel der Vorurteile" zu befreien. In freimaurerischer Sprache heißt das: „geistige Entfaltung und Entwicklung einer sittlichen Lebenshaltung." Die wesentlichen Eckpunkte stehen in den Alten Pflichten, einem kurzen Kodex aus dem Jahr 1723.
Wozu braucht es Freimaurerei?
Eine oft gestellte Frage – die man einem Fußballverein oder einem Serviceclub wie Rotary oder Lions kaum stellen würde. Sie kommt vielleicht zustande, weil Freimaurer zunächst nach innen wirken. Sie „arbeiten am rauen Stein", der symbolisch für die eigene Unvollkommenheit steht.
„Ich würde eher fragen: Warum bin ich Freimaurer? Sie bietet mir eine Möglichkeit der inneren Entwicklung, der Arbeit an mir selbst, die losgelöst ist von äußeren Strukturen wie Beruf oder Privatleben." S. M., Altstuhlmeister der Loge Brudertreue am Main
Wie wird man Freimaurer?
Alle Logen veranstalten Gästeabende, für die man sich anmelden kann. Das sind keine Einführungsveranstaltungen im engeren Sinne, sondern Vorträge, Diskussionen oder Museumsbesuche zu den unterschiedlichsten Fragen. Sie geben einen guten Einblick, womit Freimaurer sich beschäftigen.
Alles Weitere ergibt sich je nach gegenseitigem Näherkommen von „Suchendem" – so werden Interessenten genannt – und Loge. Es gibt keinen Bewerbungsprozess wie bei einem Unternehmen, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen über Zeit.
Wie ist die Freimaurerei entstanden?
„Freimaurerei war immer", schrieb Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) – und meinte damit vor allem eine Einstellung. Tatsächlich taucht der Begriff Freemason erstmals 1396 in England auf.
Die organisierte Freimaurerei ist aus den Bildhauer- und Steinmetzbruderschaften der Bauhütten mittelalterlicher Kathedralen hervorgegangen. Als älteste Freimaurerloge der Welt gilt „The Lodge of Edinburgh (Mary's Chapel) No. 1" mit Gründung 1599. Das offizielle Gründungsdatum der modernen Freimaurerei ist der 24. Juni 1717 – der Zusammenschluss von vier englischen Logen zur „United Grand Lodge of England".
Wozu heute Rituale, Formalien, Geheimhaltung?
In der Freimaurerloge – die Örtlichkeit nennt man Bauhütte – gilt das Arkanprinzip: Nichts von dem, was hier passiert, soll nach außen dringen. So wird die Loge zum Schutzraum, nicht nur für Rituelles, sondern auch für Gespräche, in denen Brüder sich einander anvertrauen können, ohne Äußerungen befürchten zu müssen. Solche Orte gibt es nicht viele.
Rituale (auch Tempelarbeiten genannt), Symbole, Zeichen sowie die traditionellen schwarzen Anzüge mit Zylinder (hoher Hut) dienen dazu, sich als Gemeinschaft immer wieder der gemeinsamen Werte bewusst zu werden. Das Ritual kann als eine Form gemeinsamer Meditation verstanden werden, begleitet von Musik, die der Besinnung, inneren Sammlung und gegenseitigen Stärkung dient.
Was hat es mit Ämtern und Titeln auf sich?
Die Ämter bezeichnen nur die Funktionen, die die sogenannten Beamten während des Rituals ausüben – sie haben keinerlei hierarchische Funktion. Die Grade (Lehrling, Geselle, Meister) bezeichnen den Fortschritt des Einzelnen: Wer einen höheren Grad anstrebt, muss sich phasenweise mit bestimmten inhaltlichen und philosophischen Fragen auseinandersetzen. Grundsätzlich gilt aber: Lehrlinge, Gesellen und Meister haben exakt dieselben Rechte.
Sind alle Freimaurerlogen gleich ausgerichtet?
Durchaus nicht. Der Lieblingsspruch eines Logenbruders lautet: „Freimaurerei ist Menschenwerk." Es gibt konservative und progressive, offene und verschlossene, liberale und strenge Logen – und weltanschauliche Differenzen. Während Schweinfurt zu den liberalen, humanitären Logen gehört, für die Religion keine Rolle spielt, machen andere die Zugehörigkeit zu einer christlichen Konfession zur Aufnahmebedingung.
Duke Ellington und Louis Armstrong etwa gehörten Logen in den USA an – einem Land, in dem es bis heute Logen nur mit weißen und nur mit schwarzen Mitgliedern gibt. Ein Widerspruch zum humanistischen Anspruch, den die meisten Freimaurer weltweit selbstkritisch anerkennen.
Wie viele Freimaurer gibt es?
In Deutschland gibt es etwa 15 000 Freimaurer in 500 Johannislogen. Johannes der Täufer gilt als Schutzpatron der Freimaurerei, weil sein Aufruf zur Umkehr dem Geist der Freimaurerei entspricht. Die 500 Logen sind in fünf souveränen Großlogen unterschiedlicher Ausrichtung organisiert, deren größte mit 10 000 Mitgliedern die GL AFuAMvD ist – der auch die Brudertreue am Main angehört.
Die Zahl der Freimaurer weltweit variiert je nach Quelle zwischen 2,6 und 6 Millionen.
Wo in der Region gibt es Freimaurerlogen?
In Unterfranken und Umgebung gibt es Logen in Würzburg, Coburg, Kitzingen, Bamberg, Meiningen und Schweinfurt. Die Freimaurerei ist eine weltumspannende Bewegung – es gibt Logen auf allen Kontinenten, am weitesten verbreitet in den westlich geprägten Demokratien Europas, Amerikas und Australiens.
Wie elitär ist die Freimaurerei?
Herkunft, Vermögen und Bildung spielen keine Rolle. Die offizielle Anforderung lautet: „Ein freier Mann von gutem Ruf."
„Bei uns hat jeder Zugang. Wir machen die Mitgliedschaft weder von finanziellen noch beruflichen Voraussetzungen abhängig – was zählt, ist der Mensch." S. M., Altstuhlmeister
In den Logen begegnen sich sehr oft Menschen mit höchst unterschiedlichen Werdegängen und Ansichten, die im Alltag kaum näheren Kontakt hätten. Für viele Freimaurer gehört das zu den wichtigsten Aspekten des Logenlebens.
Nimmt die Loge keine Frauen auf?
Der Weg in die Freimaurerei ist Frauen keineswegs verwehrt. Es gibt Frauenlogen und gemischte Logen. In Deutschland sind diese aber bislang noch wenig verbreitet.
„Wenn Frauen in Schweinfurt eine Loge gründen wollten, könnten sie sich unserer Unterstützung sicher sein. Die wenigen arbeitenden Frauenlogen, zum Beispiel in Fürth, sind auch bei den Brüdern anerkannte Partner." U. M., Altstuhlmeister
Die Partnerinnen und Partner der Brüder sind überdies fester Bestandteil des gesellschaftlichen Logenlebens.
Was ist mit den Verschwörungstheorien?
In autoritären, hierarchischen und undemokratischen Systemen wirkt freimaurerisches Gedankengut immer störend. Weswegen den Freimaurern immer wieder niederste Absichten angedichtet wurden: Der NS-Staat etwa verwendete viel Energie auf die systematische Diffamierung der Freimaurerei – und hat ihr Vermögen, ihre Häuser und ihre Bibliotheken geraubt.
Der von der Loge ausgeschlossene Léo Taxil (1874–1907) erlangte zweifelhafte Berühmtheit mit Berichten über angebliche luziferianische Orgien und schwarze Messen – bereits 1896 als Schwindel entlarvt. Romane wie die von Dan Brown tragen leider weiterhin dazu bei, in altbekannte Symbole allerhand Unsinn hineinzugeheimnissen.
Die Wirklichkeit ist nüchterner: Menschen, die gemeinsam über Werte nachdenken, füreinander eintreten und an sich selbst arbeiten wollen.
Noch Fragen?
Das beste Mittel gegen Missverständnisse ist das persönliche Gespräch. Besuchen Sie einen Gästeabend – oder schreiben Sie uns direkt.